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Ein Gespräch mit Leszek Wezel über erfolgreiches Ideenmanagement

Ein Herbstmorgen im ostwestfälischen Verl. Ich passiere mit dem Auto das Tor zum Werk von nobilia. Der Pförtner weist mir den Weg an das andere Ende des Geländes, hunderte Meter entlang an riesigen Hallen und dutzenden Sattelaufliegern. Jeden Tag verlassen hier 175 Lkw mit mehr als 3.000 Küchen den Hof. Auf das gesamte Jahr gesehen stellt nobilia 700.000 Küchen her und ist damit führend in Europa. An beiden Standorten zusammen arbeiten über 2800 Mitarbeiter. Alles potenzielle Ideengeber für die „Ideenküche“ ‒ ein Wortspiel, hinter dem sich das Ideenmanagement von nobilia verbirgt. Leszek ‒ wir kennen uns bereits ‒ erwartet mich schon an der Tür mit der Aufschrift „Warenannahme 2.6“ und bittet mich auf einen Kaffee hinein. Leszek Wezel leitet das Ideenmanagement bei nobilia. Aus einer früheren Begegnung weiß ich: er vertritt mit Begeisterung sein Thema.

Leszek, wie motiviert ihr bei nobilia Mitarbeiter für das Ideenmanagement?

Durch Aufklärung schon in der Einarbeitung. Jeder neue Mitarbeiter wird zum Thema Ideenmanagement informiert. Und durch interne Entwicklung. Wir möchten irgendwann jeden Mitarbeiter im Ideenmanagement geschult haben. Wir bewerben auch mit ein oder zwei Aktionen im Jahr gezielt das Ideenmanagement, unter anderem mit Verlosungen von Reisen, Laptops und ähnlichem. Wir hatten beispielsweise mal die Aktion „Tag der Denker“, an dem aus allen Unternehmensbereichen die besten Einreicher, also gemessen an Anzahl und Umsetzungsquote, einen Tag mit einer Kutsche unterwegs waren und an verschiedenen Stationen gemeinsam Aufgaben lösen durften. Das Ganze war ein Kreativworkshop, bei dem die Teilnehmer für einen Tag selbst zu Ideenmanagern wurden. Geldprämien für tatsächlich umgesetzte Ideen spielen natürlich auch eine Rolle. Außerdem wird jeden Monat die beste Idee gekürt.

Kannst du die wichtigsten Motivationsfaktoren nennen?

Vor allem Wertschätzung. Die Einreicher können auch mit einer abgelehnten Idee leben, wenn die Ablehnung gut begründet ist. Es muss deutlich werden, dass sich ernsthaft mit jeder Idee auseinandergesetzt wird. Der praktische Nutzen ist auch ein Faktor, wenn eine umgesetzte Idee die Arbeit erleichtert. Dann profitiert der Mitarbeiter direkt am Arbeitsplatz. Natürlich möchte auch jeder Teil des großen Ganzen sein. Es geht dabei auch um individuelle Verwirklichung am Arbeitsplatz, zu sehen, wie die eigenen Ideen umgesetzt werden.

Und was sind die größten Hemmnisse bei den Mitarbeitern?

Es muss klar sein, dass jede Idee erwünscht ist. Für manche Mitarbeiter stellt die Einschätzung der eigenen Idee eine Hürde da, ob sie es wert ist eingereicht zu werden. Dabei gibt es keine
falschen Ideen. Das versuchen wir zu vermitteln. Außerdem spielt der Aufwand eine Rolle. Wenn das Einreichen umständlich oder schwer verständlich ist, werden deutlich weniger Ideen eingereicht. Die Angst, gläsern zu sein hemmt sicher auch. Denn der Mitarbeiter muss mit seiner Idee in gewissem Maß an die Öffentlichkeit und sich der Beurteilung auch durch Kollegen stellen.

Wie geht man mit Bedenken oder Widerständen in der Belegschaft um?

Vor allem durch Aufklärung. Ich kann schließlich den wirtschaftlichen Nutzen klar benennen. Außerdem durch gute Beispiele. In unserer Mitarbeiterzeitung „nobilia bist Du“ veröffentlichen wir in jeder Ausgabe die Idee des Monats. So wird anhand von positiven Beispielen der konkrete Nutzen nachvollziehbar.

Was sind die Erfolgsfaktoren für ein erfolgreiches Ideenmanagement?

Kurze Bearbeitungszeiten sind wichtig. Es darf nicht zu viel Zeit vergehen, bis der Mitarbeiter Rückmeldung bekommt. Überhaupt ist ein wertschätzendes Feedback wichtig. Unabhängig davon, ob die Idee angenommen oder abgelehnt wird. Entscheidend ist, dass der Einreicher merkt, dass sich jemand ernsthaft mit der Idee befasst. Dann noch Transparenz in allen Prozessen, so dass der Einreicher immer weiß, was gerade passiert. Die Grundstimmung im Unternehmen ‒ eine positive Unternehmenskultur ‒ ist ebenfalls wichtig. In unruhigen Zeiten sinkt die Anzahl der Ideen.

Gibt es auch prägnante negative Einflussfaktoren?

Im Grunde sind es die gleichen Faktoren. Wie schon erwähnt, zu lange Bearbeitungszeiten. Eine negative Grundstimmung ist sicherlich genauso schlecht. Dazu kommt hohe Arbeitsbelastung. Bei zu hoher Arbeitsbelastung sinkt auch die Zahl der Ideen.

Welche Bedingungen sollten vor Einführung eines Ideenmanagements gegeben sein?

Finanzielle und personelle Ressourcen. Wenn innerhalb des Unternehmens zeitgleich mehrere große Projekte laufen, wird auch Personal gebunden. Das hat natürlich Einfluss auf die Umsetzungsquote. Eine Prämienrichtlinie die über Transparenz Vertrauen schafft sollte vorab gegeben sein. Unklare Prämienvergaben sorgen für Misstrauen in der Belegschaft. Außerdem muss der Workflow im Vorfeld klar sein.

Welche Maßnahmen sollten vor Einführung einer Software getroffen werden?

Das gleiche gilt für die Einführung einer Software für das Ideenmanagement. Der Workflow sollte vorher klar sein und die Software an diesen anpassbar. Die Software sollte sich an die Arbeitsabläufe des Unternehmens anpassen lassen, es sollten nicht Arbeitsabläufe an die Software angepasst werden. Genauso wichtig ist, dass die Software einfach und verständlich in der Bedienung ist um die Hemmschwelle niedrig zu halten.

Leszek, wie viele Ideen werden von den Mitarbeitern bei nobilia jedes Jahr eingereicht?

Seit der Softwareeinführung im Jahr 2010 erhalten wir im Schnitt jährlich 2500 Ideen. Vorher waren es vielleicht 100. Von den eingereichten Ideen werden derzeit gut 43 Prozent umgesetzt, 60 Prozent möchten wir langfristig erreichen.

Wieviel finanzielle Einsparung bedeutet das für das Unternehmen?

Ein hoher sechsstelliger bis niedriger siebenstelliger Betrag im Jahr.

Hast du ein persönliches Ziel für das Ideenmanagement bei nobilia?

Ich möchte irgendwann alle Mitarbeiter im Ideenmanagement geschult zu haben.

Vielen Dank für das Gespräch!

www.nobilia.de

 

 

 

 

 

 

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